Der Atman – Teil 1

[Nachtrag: 03.07.2017]

Wie ich bereits in einigen meiner Beiträge gedeutet habe, ist die Existenz des Atman ewig, aber nicht unendlich. Der Hinduismus beschreibt den Zyklus, das der Atman durchläuft bzw. erfährt, als Wiedergeburten. Sie ist frei bzw. nicht gebunden an Religion, Kultur, Geschlecht, Lebensform (also Tier, Pflanze etc.), geographischen Gegebenheiten etc. Der Hinduismus beschreibt nicht nur den Kreis der Wiedergeburten, er zeigt auch die (drei in der Gita genannt: Bhakti, Karma und der Entsagung) verschiedenen Wege in das Schoss Gottes zu gelangen oder anders formuliert um aus diesem Kreis der Wiedergeburten befreit zu werden. Das steuernde Element hier ist das Karma (Summe der eigenen Handlungen und nicht Handlungen). Man kann zwar das Karma auf einer abstrakten Ebene mit einem Bankkonto vergleichen, aber auch nur auf der abstrakten Ebene. Das Problem an den Menschen ist, dass sie versuchen Lücken zu finden, um vom Gott gegebenen Gesetzte zu umgehen bzw. zu beugen. Vielleicht ist diese Verhaltensweise das Resultat, welches durch in der Welt geprägten Sitten und Gebräuche. Man sollte auch nicht vergessen, das Sitten, Gebräuche, Sprache etc. immer der Wandel unterliegen. In anderen Worten, sie sind lebendig. Um wieder auf den Vergleich zwischen Karma und dem Bankkonto zurück zu kommen. Man kann ein Bankkonto überziehen und die Schulden wieder begleichen. Dieser Vergleich zeigt auch, dass ein Mensch dies direkt im Verständnis des Karmas umsetzt: Ich habe eine Sünde begangen und jetzt versuche ich was Gutes zu tun. Was bringt es was Gutes/Buße zu tun und am nächsten Tag wieder Sünde zu begehen? Darauf zielte ich mit meinem Beitrag „Opfergaben und deren wahre Bedeutung“. Auf diese Erkenntnis erlangt man, falls die menschlichen Eigenschaften wie Intoleranz, Hass, Unwissenheit oder falsche Bildung uns daran hindern.

Um Ihnen die Wiedergeburt zu verdeutlichen – werde ich dies an zwei oder drei Modelle/Beispiele illustrieren:

Jaabaali war ein Atheist in der Zeit von Ramayana und war mit Rama sehr eng verbunden. Er war Atheist nicht aus der Überzeugung, dass er an die Existenz Gottes zweifelte, sondern vielmehr, kristallisierte sich dieses Weltbild aus der Verzweiflung der durch die Gesellschaft hervorgebrachten Sitten, Normen, Gebräuche etc. Die Handlungen Ramas haben Jaabaali in seiner letzten Phase des Lebens verändert, so dass seine Wahrnehmung sowie das Verständnis über Gott sich geändert haben. Wenn Jaabaali in der Kali-Yuga als Albert Einstein wieder geboren wird, wird er in ähnlicher mentalen Form hineingeboren, also seiner Weltanschauung bzgl. Gott zum Zeitpunkt des Todes als Jaabaali – wir fokussieren uns nur auf den einen Punkt (religiöse Weltanschauung), sonst wird es zu komplex dies zu beschreiben bzw. man verliert schnell den Überblick. Man sollte wissen, dass Einstein zu Beginn seiner ersten Lebensphasen nicht wirklich mit Gott verbunden war. Er ist zwar in die jüdische Familie und Religion hineingeboren, hat aber erst in späteren Jahren nachdem er Wissenschaftler geworden ist und Weltruhm erlangt hat, wieder richtig zu Gott gefunden. In den Randnotizen seiner Werke und der notierten Zahlen erkannte er die Zusammenhänge, dass er nicht der Erschaffer des Wissens war, vielmehr von Gotteshand geführt wurde. Wie man weiß, ist Albert Einstein 1955 verstoben und ist 20-25 Jahre später in einer deutsch/italienischen Familie mit katholischer Religionszugehörigkeit wieder geboren.

Ein weiteres Beispiel:
Atharvan war ein Weiser/Gebildeter zu seiner Zeit und ein großer Shiva Anbeter.  Er hat die Atharvaveda niedergeschrieben. In seiner Wiedergeburt in der Kali-Yuga wird er in einer deutschen Familie mit evangelischer Religionszugehörigkeit hineingeboren und ist Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).

Mit diesen beiden Beispielen will ich verdeutlichen, was ich meine, wenn ich schreibe*, dass Karma und Wiedergeburt nicht an Hinduismus gebunden sein muss.

In diesem Zusammenhang wieder das Zitat aus der Brihadaranyaka-Upanischad IV.5:

Du bist, was dein tiefes, treibendes Begehren ist.
Wie dein Begehren ist, so ist dein Wille.
Wie dein Wille ist, so ist dein Tun.
Wie dein Tun ist, so ist dein Schicksal.

* Wortspiel / Anspielung
Ich bin das Lied, ich bin der AusdruckFreisein von Xavier Naidoo (pdf-Datei, 334 KiB)

Nachtrag: 08.06.2017 [WiederGeburt: pdf & mp4]

  • Einige der WiederGeburten in der Kali-Yuga (3:16 min, 177 MB, mp4-Video Datei: 1080p)
  • Einige der WiederGeburten in der Kali-Yuga (pdf-Datei, 825 KB)

Beide Dateien wurden nach 4MA74 verschoben

Nachtrag 30.06.2017

Bhagavad Gita 2.12

Bhagavad Gita - Mit einem spirituellen Kommentar von Bede Griffiths, Seite 36

Denn nie gab es eine Zeit, da ich nicht war, noch du, noch diese Heerführer. Und niemals werden wir alle in der Zukunft nicht sein.

Dies bezieht sich nicht auf die, die in der Kali-Yuga durch den Kalki-Avatar verdammt werden. Die Verdammnis ist für die Unendlichkeit und das Leiden dieser ist unendlich groß.

Der Inhalt von Bhagavad Gita 2.12 steht nicht im Widerspruch mit meinem einleitenden Satz in diesem Beitrag: „Wie ich bereits in einigen meiner Beiträge gedeutet habe, ist die Existenz des Atman ewig.“

Ewig und unendlich haben unterschiedliche Bedeutungen, siehe Definition. Das Unendliche ist abseits von Raum und Zeit, aber das Ewige ist an die Zeit und Raum gebunden und im allgemeinen Verständnis unendlich lang. Der Widerspruch löst sich auf, wenn man versteht was Atman ist.

Für die Erschaffung des Universums trennte sich Shiva und Adi Parasakthi bzw. Purusha und Prakriti. Die erste Manifestation von Adi Parasakthi war als Sati die Tochter von König Daksha, die zweite Manifestation als Parvathy die Tochter vom König Parvateshwara, die dritte als Seetha die Tochter von Janaka und die vierte wird in der Kali-Yuga sein, wo sich Shiva und Adi Parasakthi wieder nach einer langen Zeit von über 47 Millionen Jahren wiedervereinigen werden.

Das Wort Sakthi in „Adi Parasakthi“ steht für das Wort „Kraft“, Adi heißt Ur und die Silbe „Para“ hat auch die Bedeutung alldurchdringend, Adi Parasakthi heißt demnach die alldurchdringende Urkraft. Das sind die fundamentalen Kräfte, die das Universum zusammenhalten und jede Materie. Sie sind die sogenannten vier Grundkräfte der Physik: Gravitation, Elektromagnetismus, schwache Wechselwirkung und die starke Wechselwirkung. Parvathy ist demnach die Personifikation der Grundkräfte. Wir kommen der Definition von Prakriti (Parvathy) näher.

Wenn man die Natur und deren Kräfte als Teile von Purusha und Prakriti sieht, dann wird man noch besser verstehen was Prahlada versucht zu erklären:

தூணிலும் இருப்பார் எந்தத் துரும்பிலும் இருப்பார் → Er ist in Säulen, und er ist im kleinsten Zweig.

Meine Übersetzung:
Er ist in Säulen, und er ist auch im kleinsten Nadelkopf (oder Atom).

Definition der Termini Ewig und unendlich

Unabhängig von allen anderen existierenden Definitionen, gilt diese Definition für die von mir formulierten Texte und Erklärungen. Ewig wird im Kontext von Raum und Zeit benutzt und ist daher begrenzt. Die Unendlichkeit ist unbegrenzt. Laut der hinduistischen Weltanschauung, ist das Universum vergänglich* und wird am Ende wieder neu erschaffen*. Es ist ein wiederkehrender Prozess. Es sollte einem klar sein, dass laut dem Urknall Theorie die Zeit erst unmittelbar danach entstand.

* Bhagavad Gita 9.7
Alle Wesen, o Kunti-Sohn, gehen am Ende eines Weltzeitalters in meine Natur ein. Am Beginn eines Weltzeitalters entlasse ich sie wieder aus mir.

Wichtiger Hinweis

Wer in den Fächern wie Chemie und Physik in der Schule gut aufgepasst hat, der wird noch Wissen, dass alles ineinander gewandelt wird und nichts erschaffen oder vernichtet werden kann z. B. Energie, Materie etc.

Nachtrag: 03.07.2017

  • Somvara Vrata – die Zahlen und deren Bezug (pdf-Datei, 60KiB)
    [Permanenter Link – für Aktualisierungsdatum, siehe Datei]

Menschen und ihre Kommentare zu Bhagavad Gita

Albert Einstein
„Wenn ich die Bhagavad Gita lese und darüber nachdenke, wie Gott dieses Universum erschaffen hat, scheint alles andere so überflüssig zu sein.“

Henry David Thoreau
„Am Morgen bade ich meinen Intellekt in der überwältigend und kosmogonischen Philosophie der Bhagavad Gita, im Vergleich zu dem unsere moderne Welt und ihre Literatur winzig und trivial erscheinen.“

Herman Hesse
„Das Wunder der Bhagavad Gita ist seine wahrhaft schöne Offenbarung der Weisheit des Lebens, die es der Philosophie ermöglicht, in der Religion zu blühen.“

Albert Schweitzer
„Die Bhagavad Gita hat einen tiefgreifenden Einfluss auf den Geist der Menschheit durch seine Hingabe zu Gott, die durch Handlungen manifestiert.“

Carl Gustav Jung
Die Idee, dass der Mensch wie ein umgedrehter Baum ist, scheint in früheren Zeiten gegenwärtig gewesen zu sein. Der Zusammenhang der vedischen Vorstellungen wird von Plato in seinem Timaeus wiedergespiegelt, in dem es heißt … „siehe, wir sind keine irdische, sondern eine himmlische Pflanze.“ Diese Korrelation kann man in der Bhagavad Gita 15.1 erkennen, welches von Krishna an Arjuna gesagt wird.

Aldous Huxley
„Die Bhagavad Gita ist die systematischste Aussage der spirituellen Evolution und ein Geschenk für die Menschheit. Sie ist eine der klarsten und umfassendsten Zusammenfassungen der beständigen Philosophie, die je offenbart wurde. Daher ist ihr dauerhafter Wert nicht nur für Indien, sondern für die ganze Menschheit von Bedeutung.“

[Buch Empfehlung: Aldous Huxley – Schöne neue Welt;
Man kann vieles aus dem Buch in unserer realen Welt abbilden und wird erkennen, dass nicht alles aus dem Buch fiktiv ist]

Ralph Waldo Emerson
„Ich verdankte einen herrlichen Tag der Bhagavad-Gita. Es war das erste Buch – es war, als ob ein Imperium zu uns sprach, nichts Kleines oder Unwürdiges, aber groß, heiter, beständig, die Stimme einer alten Intelligenz, die in einem anderen Zeitalter und Klima über dieselben Fragen nachdachte und diese beantwortete, die uns heute auch beschäftigt.“

 

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